Die E-Zigarette: eine neue Gefahr für unsere Kinder

Die E-Zigarette:
Eine neue Gefahr für unsere Kinder
PD Dr. Jürg Barben, Leitender Arzt Pneumologie, Ostschweizerisches Kinderspital, St. Gallen

E-Zigaretten und E-Shishas können gemäss
dem aktuellen Wissensstand nicht als bedenkenlos
bewertet werden. Wegen den grossen
technischen Mängeln, der ungenügenden
Produktsicherheit und der Einführung in die
Nikotinabhängigkeit bzw. einer möglichen
Nikotinvergiftung stellen sie eine erhebliche
Gefährdung für unsere Kinder und Jugendlichen
dar. Aus diesem Grunde sollten E-Zigaretten
und E-Shishas Kindern und Jugendlichen
unter 18 Jahren nicht zugänglich sein,
und deren Gebrauch sollte überall da verboten
sein, wo Rauchen verboten ist. Gleichermassen
sollte der Internetverkauf und Import
von E-Zigaretten und Kartuschen strikter reguliert
werden. Alle Inhaltsstoffe sowie die
enthaltene Nikotinmenge müssen klar deklariert
werden. Es sollten dieselben Werbeeinschränkungen
wie für Tabakprodukte auch für
E-Zigaretten angewendet werden. Ausserdem
braucht es kindersichere Produkte, damit nikotinhaltige
Flüssigkeiten nicht zu Vergiftungen
von Kindern führen können. Alle im Gesundheitswesen
Tätigen sowie Behörden sind
aufgerufen zu verhindern, dass mit der Einführung
von E-Zigaretten die bisherigen Präventionsbemühungen
unterlaufen und das Rauchen
allgemein wieder zu einem normalen
Verhalten rehabilitiert werden.
(Quelle: Paediatrica Vol. 25 Nr. 3 2014)
PD Dr. med. Jürg Barben
Leitender Arzt Pneumologie/Allergologie
Ostschweizer Kinderspital
Claudiusstr. 6
9006 St. Gallen
Tel. 071 243 71 11
juerg.barben@kispisg.ch

Es qualmt weiter1)
Rene Tabin, Siders
Ubersetzung: Rudolf Schlaepfer, la Chaux-de-Fonds

Am 21.5.2014 hat der Bundesrat beschlossen,
ein Gesetz (TabPG) in die Vernehmlassung zu
schicken, mit dem Hauptziel, die Massnahmen
zum Schutz junger Menschen vor dem
Tabakkonsum verstärken2). Der Entwurf sieht
namentlich eine neue Reglementierung der
Werbung und des Sponsorings für Zigaretten
und andere Tabakwaren vor. Der Verkauf
dieser Produkte an Minderjährige wird ebenfalls
untersagt.
Der Bundesrat hat auch beschlossen, die nikotinhaltigen
E-Zigaretten den Tabakwaren
gleichzustellen. Der Verkauf nikotinhaltiger
E-Zigaretten wird in der Schweiz zugelassen,
wodurch gesetzliche Anforderungen, namentlich
an die Zusammensetzung, die Deklaration
und die Kennzeichnung, festgelegt werden
können. Es werden für E-Zigaretten die gleichen
Einschränkungen bezüglich Werbung
und Verkauf an Minderjährige gelten. Alle EZigaretten,
ob nikotinhaltig oder nicht, fallen
unter das Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen
und sind an Orten, wo bereits ein Rauchverbot
gilt, nicht erlaubt.
Da die Mehrheit der Rauchenden vor dem 18.
Lebensjahr zu rauchen beginnt (57,4 %, in den
USA > 90 %), spielt der Jugendschutz im TabPG
eine zentrale Rolle. Werbung für Tabakwaren
ist auf Plakaten, in Kinos, in den Printmedien
sowie auf elektronischen Trägern nicht mehr
zulässig. Der Verkauf von Tabakwaren an
Minderjährige wird ebenfalls untersagt.
Die Verkaufsförderung von Tabakwaren durch
Geschenke an die Konsumentinnen und Konsumenten
oder die Vergabe von Gewinnen bei
Wettbewerben ist nicht mehr zulässig. Das
Sponsoring von internationalen Anlässen
durch Tabakhersteller ist nicht mehr möglich.
E-Zigaretten bergen für Kinder und Jugendliche
besondere Risiken.
Nikotinvergiftungen haben in den USA zwischen
2012 und 2013 um das Dreifache zugenommen:
R. Basset et al.4) beschreiben eine
schwere Nikotinvergiftung bei einem 10-monatigen
Säugling, der eine ≪kleine Menge≫
Nachfüllflüssigkeit fur E-Zigaretten schluckte.
Sie weisen auf das Fehlen einer Reglementierung
zum Schutze der Kinder hin.
Parfümierte Zigaretten – und nun auch parfümierte
E-Zigaretten und E-Shishas – sind
insbesondere für junge Raucher gedacht und
begünstigen den Einstieg ins Rauchen. Der US
Center for Disease Control hat aufgezeigt 615-544-7934 ,
dass 42 % der rauchenden Schüler und Studenten
parfümierte Zigaretten rauchen. Die
dabei benutzten Aromen sind oft dieselben,
wie in alkoholischen, für Jugendliche bestimmten
Getränken. Marketing und Konsum
dieser Produkte müssen dringend eingeschränkt
werden.
So lobenswert der Gesetzesentwurf für einen
besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen
auch ist, bedauern wir, dass die vorgesehenen
Bestimmungen moderat sind und
weniger weit gehen als die Gesetzgebungen
der meisten europaischen Länder. Es bleibt
weiterhin möglich, Werbung für Tabakwaren
an Festivals und Open Airs zu betreiben, was
ohne Zweifel auch Jugendliche beeinflussen
wird. Es sind gesetzliche Bestimmungen erforderlich,
die Kleinkindern den Zugang zu
flüssigem Nikotin unmöglich machen sowie
eine Regelung der Verwendung von Aromen
in Rauchwaren.
Die Vernehmlassung zu diesem Gesetzesentwurf
läuft bis zum 12 September und gibt uns
die Möglichkeit, Stellung zu beziehen! Informieren
Sie sich und äussern Sie sich!
(Quelle: Paediatrica : Vol. 25 Nr. 3 VI/2014)

— Dr. med. Fatimah Saehrendt

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